14. Mai 2020



Nun sind sie beide tot, Irina aus der Lüneburger Heide und der aus der Nähe von Kassel stammende Rolf Hochhuth, die es beide nach Berlin verschlagen hatte. Meine Freundin Irina war nicht nur eine surrealistische Malerin, sondern auch Hochhuths Assistentin, sie kümmerte sich bis einige Zeit vor ihrem Tod im Oktober 2018 um seine Internetseite und alles, was sich um die digitale Verarbeitung seines Werks drehte. Er hatte immer bewundernde Blicke für sie, das war sehr rührend.

Das Bild entstand im Dezember 2016 bei Irinas letzter Ausstellung zu ihren Lebzeiten. Bei der Gelegenheit sprach ich auch mit Hochhuth, er signalisierte mir mit seinen Blicken Interesse und ich setzte mich zu ihm und er fragte mich aus. Aber wie. Ich erzählte ihm, dass ich blogge, sehr Persönliches und er war total gefesselt. "Was schreiben Sie denn da zum Beispiel genau?" "Na, es könnte zum Beispiel sein, dass ich über unsere Unterhaltung hier einen Eintrag schreibe." Er: "Das ist ja wahnsinnig interessant!".

Wirklich ein netter, umgänglicher älterer Herr, damals war er ja nun auch schon 85 und etwas vergesslich. Aus heutiger ärztlicher Sicht vielleicht dement. Nachdem man sich eine halbe Stunde intensiv unterhalten hatte, konnte es sein, dass er einen eine Stunde später erneut ansprach, als wäre man sich noch nie begegnet. Insofern ist es doch etwas beschönigend, in den Meldungen zu seinem Tod zu lesen, dass er keinerlei Vorerkrankungen gehabt habe.

Na gut. Früher bezeichnete man vergessliche alte Menschen ohne dramatischen Unterton als "auch schon ein bißchen verkalkt" und nahm das als den normalen Lauf der Dinge. Aber das Gespräch mit ihm verlief sehr eloquent, er erzählte mir von verschiedenen Ärgerlichkeiten mit Verlagen, an die er sich deutlich erinnerte, die aber sicher schon weiter zurücklagen. Ich fand es interessant, dass er mir so etwas erzählte, als sei ich eine Vertraute. Er hatte schon mitbekommen, dass ich mit Irina befreundet bin, vielleicht war ich für ihn dadurch eine Art erweiterte Familie.

Deutlich war zu spüren, dass in seinem doch etwas eingetrübten Blick so eine gewisse Bereitschaft für eine erotisierte Wahrnehmung der Welt weiterhin bestand. Das rührte mich. Er war viel sympathischer und zugewandter, als ich je für möglich gehalten hätte. Zuletzt sah ich ihn vor etwas mehr als einem Jahr bei einer Gedenkfeier für Irina. Er erkannte mich nicht mehr. Ich hatte es aber auch nicht ernsthaft erwartet. Frieden seiner rebellischen Seele.

14. Mai 2020

Seit gut vier Wochen steht ein gelesenes Buch links von mir in der Ecke. Ich habe es nicht ins Regal geräumt, weil ich noch einen Gedanken daraus hier schreiben wollte und ihn unbedingt in die Welt tragen. Einen Absatz hatte ich schon aus dem Buch zitiert, in diesem Eintrag, Mitte April. Aber der zweite Gedanke kommt mir geradezu existentiell und aufrüttelnd vor, obwohl er so schlicht formuliert daherkommt. Einfach mal auf sich wirken lassen, er könnte das bisherige Weltbild, die eigene Biographie betreffend, ins Wanken bringen.

"Ich wollte in die Welt. Und ich war naiv und kühn genug, um mir zu nehmen, was ich wollte. Ob ich Glück hatte, oder das Geheimnis des Glücks darin liegt, dass man es einfordert, ist eine Frage der Interpretation. Jedenfalls wurde mein Wunsch erhört."

Carsten K. Rath, Sex bitte nur in der Suite, S. 54

13. Mai 2020

"Behandeln Sie Probleme nicht wie große französische Weine, denn sie werden nicht besser, wenn man sie lagert."

Dagmar Koller, Dranbleiben, S. 153 (letzte Seite)

In diesem Sinne wünsche ich allen einen tatkräftigen Mittwoch.

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Frau Klugscheisser 13....
13.06.21, 21:30
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Zucker 13. Juni 2021...
13.06.21, 16:34
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Zucker 13. Juni 2021...
13.06.21, 15:33
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Jan Sobottka Danke,...
13.06.21, 15:30
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Margarete 11. Juni...
13.06.21, 15:27
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Arboretum, kid37,...
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Margarete 8. Juni...
10.06.21, 00:48
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Ach, Gaga, das tut...
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Ihr Balkon sieht sehr...
07.06.21, 12:19
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Auch aber einen Hang...
07.06.21, 00:00
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Der Mann hatte einen...
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Cosima W. Erinnert...
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